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Quelle: stimme.de

Redakteurin: Susanne Walter

Artikel vom 08.06.2010


Da musizierten sie noch: Wenig später musste das Landespolizeiorchester vor dem Unwetter über dem Eppinger Marktplatz flüchten.Foto: Susanne Walter

Eppingen - Gegen diese Übermacht an schwarzgrauen Gewitterwolken konnte selbst die schönste Musik nichts ausrichten: Das Serenadenkonzert des Landespolizeiorchesters Baden-Württemberg, ursprünglich als besonders stimmungsvoller Abschluss der Eppinger Blasmusiktage unter freiem Himmel gedacht, fiel buchstäblich ins Wasser und bleibt wohl auch deshalb so unvergessen.

Donnergrollen

Zu Beginn der romantisch, stilvoll und vielseitig angelegten Frühsommerserenade auf dem Marktplatz wehte noch ein leichtes Lüftchen. Rund 250 Besucher lauschten der "Leichten Kavallerie" von Franz von Suppé. Auch die selten zu hörenden Auszüge aus "La Fanciulla del West" einer Oper von Giacomo Puccini, arrangiert für Blasorchester von Johan de Meij, hätte zum entspannten Zurücklehnen gereizt, wären da nicht schon die ersten Tropfen gefallen, Donnergrollen, Blitzezucken inklusive. Auch der Sommerwind sprach plötzlich eine ganz andere Sprache. Die Fachwerkfassaden hatten den Blick auf das heranziehende Schwarz bis zum letzten Monet verborgen. "Und wir haben keinen Plan B", bedauerte Günter Brenner von der Stadtverwaltung zwar, andererseits hätte ein Zelt auf dem Marktplatz ja auch die schöne Stimmung verdorben, waren sich viele Besucher einig.

Schon flüchteten die ersten unter die Sonnenschirme am Rande des Geschehens. Da gab Dirigent Toni Scholl mit Blick auf die wertvollen Instrumente, seine Musiker und das Publikum das Signal zum Einpacken. Er stellte in Aussicht, das vom Förderverein der Stadtkapelle präsentierte Konzert noch einmal zu starten, sobald sich das Unwetter verzogen habe. Doch daraus wurde trotz der optimistischen Prognose von OB Holaschke "In zehn Minuten geht"s weiter" nichts mehr. Nach dem Wolkenbruch hatte es sich eingeregnet. Die Stimmung war dahin, die Instrumente wären es wohl auch gewesen.

Und dennoch erlebten die Eppinger dank ihres badischen Humors einen unvergesslichen Abend. Klaus Holaschke und Günter Brenner öffneten ohne viel Aufhebens sofort die Rathaustüren und herein strömten mit Schirmen und Regenmänteln sämtliche Konzertbesucher. Einige philosophierten am Eingang stehend über eine Glasdachkonstruktion, die den gesamten Marktplatz abschirmen könnte, ausfahrbar vom Rathaus aus. Andere erinnerten sich an Eppinger Sprüche, die drohende Gewitter wortreich "ins Schwäbische hinüber" wünschen.

Nachholtermin

Und dann tüftelten die Leitung des Landespolizeiorchesters und die Leitung der Eppinger Stadtverwaltung doch noch einen Plan B aus. Allerdings soll der wegen terminlicher Engpässe erst im Oktober greifen. In einer Halle will dann das professionelle Orchester noch einmal den Eppingern die bunte Vielfalt der anspruchsvollen Blasmusik bei einem Konzert präsentieren, dann mit dem "Paso Doble − Fuego de la Danza" etwa statt Pleite, Pech und Platzregen.

Landespolizeiorchester

Das Polizemusikkorps trägt seit 2010 den namenLandespolizeiorchester. Dem Ensemble gehören 35 professionelle Musiker an, unter ihnen der Oboist Fabio Croce, der an der Musikschule Eppingen unterrichtet. Die Instrumentalisten sind voll ausgebildete Musiker, meist mit Studienabschluss. Das Orchester spielt bei offiziellen Anlässen der Landesbehörden gibt aber auch eigene Konzerte. Im Rahmen der Bad Rappenauer Klassiktage steht das Landespolizeiorchester am Samstag, 3. Juli, ab 19.30 Uhr in der Mühlbachhalle auf der Bühne.

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