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Quelle: stimme.de

Redakteurin: Isabel Hansen

Artikel vom 30.11.2011


Dirigent Armin Fischer-Thomann servierte seinem Publikum die Insel-Etikette auf dem Silbertablett. Er beherrscht die englische Musikart bis in die Fingerspitzen. Foto: Isabel Hansen

Eppingen - Das Motto des Jahreskonzerts der Stadtkapelle Eppingen hieß "very british". Anders als bei der Synchronisation mancher Filme ins Deutsche, machte das Blasorchester bei seiner Übersetzung des Themas in die Sprache der Musik keine Fehler. Hinter den Kulissen konnte die Jugendlichen nichts aus der Ruhe bringen.

Sie sind fünf Minuten vor Konzertbeginn cool wie James Bond und schlagfertig wie Emma Peel. "Lampenfieber? Wir? Nein, wir sind nicht aufgeregt", freuten sich Anna Müller (Querflöte), Jule Keller (Klarinette) und Nina Vollmer (Oboe) auf ihren Auftritt vor großem Publikum in der Hardwaldhalle, in die rund 400 Zuhörer gekommen waren.

Bildungsreise

Das Jugendorchester entführte sein Publikum erst einmal auf eine Bildungsreise hinaus in die Welt. Bei Rikudim, dem hebräischen Wort für Tänze, brachten besonders die Holzbläser Bewegung in die Suite, die den Stil jüdischer Folk-Tänze aufnimmt. Ein Abstecher führte das Jugendorchester mit Adagio vom Komponisten Remo Giazotto zum italienischen Barock. Jazz-Freunde freuten sich über DeFunk Motel von Peter Herbolzheimer, das Raum für ein Solo von Daniel Beez (12) an der Trompete und Jannik Holaschke (16) am Saxophon ließ. Der erste − völlig unenglische − spontane Beifall aus dem Publikum war ihnen sicher.

Schließlich kehrten sie mit einem Medley um den Song "Smoke on the water" der englischen Kultband Deep Purple zurück auf die Insel und bewiesen, dass Blasmusik auch rocken kann.

Der Kontrast vom Jugendorchester zum Blasorchester war stark. In Frack und blütenweißem Hemd servierte Dirigent Armin Fischer-Thomann in der Rolle des höchst vornehmen Butlers dem Publikum seine Einführung in die englische Etikette auf dem Silbertablett.

Queen

"We proudly present you the Stadtkapelle Eppingen", näselt er und verschwand. "Sucht er jetzt die Queen?" fragte sich eine Zuschauerin amüsiert und lag damit gar nicht einmal so falsch. Die Krone der Marschmusik gebührte ohne Zweifel dem ersten Stück des Abends "Pomp and Circumstances Nummer 1", das mit "Land of hope and glory" zur inoffiziellen Nationalhymne wurde. Beim Streifzug durch England trafen die Zuhörer auf den bodenständigen Schmied im Dorfpub (Song of the blacksmith), zog die raue Landschaft Schottlands mit ihren meerumtosten Klippen am inneren Auge vorbei (Highland Cathedral), schmeichelte irische Lebenslust dem Ohr wie ein warmer Whiskey der Zunge. Die Instrumente kokettierten, der Nebel hüllte den Morgen danach in ein mystisches Grau (Lord Tullamore). Ausschnitte aus der Filmmusik von "Harry Potter an the chamber of secrets" von John Williams blieben dicht am Original und setzten doch zusätzliche Akzente. Da gehörten die Standing Ovations des Publikums selbstverständlich zum guten Ton.

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